"Weder Fräulein, weder schön"

gespielt von Silva Schreiner

 Wer kennt nicht die Zeile aus Goethes „Faust I“:

„Mein Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit ihr anzutragen?“ und Gretchen antwortet darauf:

„Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehen.“

Würde heutzutage eine junge Frau so reagieren, würden wir ihr ein starkes Selbstbewusstsein bescheinigen. Margarete ist auch nicht naiv, sondern nur sehr jung und unerfahren. Der Mann allerdings ist hartnäckig, es bleibt nicht bei dieser ersten Anmache. Er ist charmant, ist gebildet, macht Geschenke – und er ist tatsächlich in Margarete verliebt. Dadurch fühlt sie sich geschmeichelt, fühlt sich ernst genommen, geliebt und ist verliebt. Und leider kriegt sie deswegen nicht mit, dass Faust viel redet, aber nicht viel dahinter ist.

Die Enttäuschung der ersten großen Liebe, den Tod der Mutter verschuldet zu haben, sich am Tod des Bruders mitschuldig zu fühlen, ungewollt schwanger zu werden, das Neugeborene zu töten, für all das schließlich ins Gefängnis zu kommen: wen würde das nicht wahnsinnig machen? Margarete ist aber nicht verrückt und unzurechnungsfähig, sondern „nur“ überfordert und alleingelassen. Sie kann die Ereignisse nicht mehr verarbeiten und einordnen, dafür sind es zu viele und sie sind zu schrecklich.

Sie ist eine starke Frau – aber leider nicht stark genug!

„Faust I“ handelt zu mehr als der Hälfte von Margarete, aber meistens wird der Klassiker auf Faust und Mephisto reduziert. In dem Theaterstück „Weder Fräulein, weder schön“ steht Margarete im Mittelpunkt – und alleine auf der Bühne.

Silva Schreiner :

"Seit ich 7 Jahre alt bin spiele ich leidenschaftlich gerne Theater, habe in vielen verschiedenen Produktionen mitgewirkt, und mit der Rolle als Margarete geht für mich ein kleiner Traum in Erfüllung. Goethes "Faust" fasziniert mich schon seit ich es zu meiner Schulzeit lesen durfte und Margarete ist seitdem eine Traumrolle. Ich freue mich diese in meinem ersten Solostück zum Besten zu geben."

Der Text zu diesem Stück ist eine Collage aus "Faust I" und 99%ig Goethe.

Idee und Regie Martin Menner